Über 100 Kilometer

Höllentrip: Migrant klammert sich unten an Bus

Provisorische Zelte aus Planen und Decken an einem Strandlager für Migranten in Ceuta, Spanien.
© EPA
Ein junger Marokkaner aus Ceuta hat sich stundenlang und über mehr als 100 Kilometer an den Unterboden des Teambusses des spanischen Fußballclubs Real Valladolid geklammert.
OE24 auf Google bevorzugen

So habe er es geschafft, von der spanischen Nordafrika-Exklave mit der Fähre über die Straßen von Gibraltar auf das Festland zu kommen, berichteten der staatliche spanische TV-Sender RTVE und andere Medien übereinstimmend am Dienstag.

Der 17-Jährige habe sich im Bereich der Hinterachse direkt neben den Rädern festgekrallt und dort nicht nur die 45-minütige Fahrt mit der Fähre nach Algeciras ausgeharrt, sondern auch noch mehr als 100 Kilometer auf einer Fernstraße, wie RTVE weiter berichtete.

Entkräftet und unterkühlt, aber ansonsten nur leichte Prellungen

Als seine Kräfte zu schwinden begannen, habe er gegen den Boden des fahrenden Busses geklopft und laut um Hilfe gerufen. Die Fußballer, die auf dem Rückweg von einem Zweitligaspiel gegen den A.D. Ceuta FC waren, hörten das und baten den Fahrer, sofort anzuhalten. Unter dem Bus entdeckten sie dann den entkräfteten und unterkühlten 17-Jährigen.

Die Spieler versorgten ihn mit Wasser, Essen und einer warmen Jacke. Er habe darum gebeten, in ein Aufnahmelager für Jugendliche in Algeciras gebracht zu werden. Zur Verständigung wurde telefonisch ein Dolmetscher für Arabisch eingeschaltet, wie RTVE weiter berichtet.

Der Mannschaftsarzt des Teams leistete Erste Hilfe, bis ein Krankenwagen kam. Sanitäter stellten fest, dass der Jugendliche durch den Höllentrip zwar extrem geschwächt war, aber ansonsten nur leichte Prellungen erlitten hatte. Er sei in die Obhut der Jugendfürsorge genommen worden.

"Einem wird bewusst, welche Privilegien wir genießen"

Der Vizepräsident von Real Valladolid, Jorge Santiago, sagte Medien, die ganze Mannschaft sei fassungslos über den Vorfall. "Wenn jemand sein Leben für eine bessere Zukunft riskiert, wird einem bewusst, welche Privilegien wir genießen", wurde Santiago zitiert.

Am 30. und 31. Juli waren rund 72.000 Migranten nach Ceuta gekommen. Die meisten verließen die Exklave binnen Stunden, aber mehrere Tausend, darunter auch viele Minderjährige, harren dort seither unter schwierigen Bedingungen in der Hoffnung aus, in Spanien arbeiten und so die Familie in der Heimat unterstützen zu können.

Die Erwachsenen haben kaum Chance auf Asyl, weil Marokko als sicheres Herkunftsland gilt. Unbegleitete Jugendliche dürfen jedoch nur unter sehr strengen Voraussetzungen zurückgeschickt werden. Sie sollen deshalb trotz des Widerstandes konservativer und rechtspopulistischer Landesregierungen nach und nach auf das spanische Festland gebracht werden.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden