Herzerl im oe24-Talk

Herzog: »Ich bin, wie ich bin – authentisch«

Adreas Herzog liebt nicht nur den Fußball, sondern auch alles, was süß ist. Als Trainer & Markenbotschafter des Team Milka ist er deshalb 
genau am richtigen Platz.
© Andreas Tischler / Vienna Press
Jetlag abgeschüttelt, die WM aber noch frisch im Kopf: Pünktlich zum Bundesliga-Start ist auch Ex-Teamspieler Andreas Herzog wieder im heimischen Fußball-Alltag angekommen.
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Im oe24-Interview redet der Sky-Sport-Austria-Experte Klartext, verteilt Seitenhiebe gegen FIFA-Boss Gianni Infantino, blickt auf den Titelkampf – und beweist, dass neben seinen flotten Sprüchen auch schokoladige Milka-"Herzerl" zu seinem Markenzeichen geworden sind.

oe24: Traum-WM oder Größenwahn? Wie blickst du auf die WM zurück – und was hältst du von Gianni Infantinos Plänen?

ANDI HERZOG: Die WM war super. Dass 48 Mannschaften dabei waren, hat dem Turnier gutgetan. Es waren neue Nationen dabei und man hat gesehen, dass auch kleinere Fußballländer überraschen können. Aber jetzt reicht‘s auch. Wenn Infantino die WM noch weiter aufbläst, braucht man irgendwann fast keine Qualifikation mehr. Der Fußball lebt von der Leidenschaft der Spieler und der Fans. Wenn sich die irgendwann einmal richtig verarscht fühlen, dann platzt diese ganze Blase. Da muss man aufpassen, dass man den Bogen nicht überspannt.

“"Der FIFA-Mann hat immer böser 
geschaut."”

Andi Herzog über das Last-Second-Tor gegen Algerien

oe24: Sportlich war die WM für Österreich "okay" – persönlich hattest du mit Kalajdzic, Arnautovic und deiner Akkreditierung aber auch einiges zu erleben.

HERZOG: Die WM war okay, aber nicht so gut wie die EM. Das Highlight war natürlich der Last-Second-Ausgleich von Kalajdzic. Da war ganz Österreich im Ausnahmezustand – ich auch. (lacht) Beim ersten Spiel gegen Jordanien bin ich immer näher ans Tor gegangen, um Arnautovics Elfmeter zu filmen. Der ORF hat nur gesagt: "Andi, pass auf, sonst bist deine Akkreditierung los." Zwei Spiele später war ich schon mitten in der Jubeltraube. Ich wollte wieder raus, aber mein weißes Sakko ist hängen geblieben. Der FIFA-Mann hat immer böser geschaut – zum Glück ist am Ende alles gut gegangen.

Finden Sie Andi Herzog in der rot-weiß-roten Jubeltraube?
Finden Sie Andi Herzog in der rot-weiß-roten Jubeltraube? © FIFA via Getty Images

oe24: Wie viel Nervennahrung hat es nach dieser Algerien-Partie gebraucht?

HERZOG: Gott sei Dank war ich von Milka bestens versorgt. Wir hatten sogar eine Pralinen-Edition "Vom Herzerl". Die habe ich auch an die Spieler verteilt. Dem David Alaba habe ich gesagt: "Iss nicht alles auf einmal, wir müssen noch gegen Spanien gewinnen." Ich bin halt ein Zuckerschnekerl, was soll ich sagen. Einen passenderen Werbepartner als Milka gibt‘s für mich daher nicht

oe24: Nach der WM ist vor der Bundesliga. Neues Saison, neues Glück. Wer ist heuer der Gejagte?

HERZOG: Ich habe schon Angst gehabt, dass meine Ansprüche nach dem CL-Finale und der WM zu hoch geworden sind. Nach dem Finale habe ich mir aber gedacht: "Das passt schon. Altach hätte auch wie Argentinien spielen können" (lacht) Der Gejagte ist natürlich der Meister. LASK hatte eine überragende Saison, aber einen Titel zu bestätigen ist schwieriger. Sturm wird wieder vorne dabei sein, und ich glaube, dass Salzburg nach drei titellosen Saisonen zurückschlagen wird.

oe24: Du hast das grün-weiße Herz auf der Zunge. Wie schaut es bei Rapid aus?

HERZOG: Kontinuität ist gut, aber mit derselben Mannschaft wird es für ganz vorne schwierig. Ein Mittelstürmer mit 15 bis 20 Toren wäre enorm wichtig. International muss sich Rapid jedenfalls steigern. Der letzte Platz in der Conference League im Vorjahr war eine Riesen-Blamage. Wir reden hier nicht von der Champions League oder Europa League, sondern von der Conference League. Da haben der Verein und die Spieler einiges gutzumachen.

oe24: Österreich verliert international den Anschluss. Schraubt Fußball-Österreich zu sehr am Salzburg-Motor rum?

HERZOG: Ich sage das seit Jahren: Das hohe Pressing hat Salzburg und dem österreichischen Fußball gutgetan. Aber heute reicht das nicht mehr. Im Spiel Mit dem Ball müssen wir wieder besser werden – deshalb muss in der Nachwuchsausbildung der Schwerpunkt wieder auf Technik und Dribbling liegen. Dazu kommen viele mittelmäßige Legionäre, die jungen Österreichern den Platz wegnehmen. Lamine Yamal ist mit 19 Jahren Welt- und Europameister. Natürlich ist er ein Ausnahmetalent. Aber wir verlangen ja nicht Weltklasse – unsere besten Jungen sollten nach der Akademie mit 17 oder 18 für die Bundesliga bereit sein. Wenn sie danach noch ein halbes Jahr brauchen, haben wir vorher etwas falsch gemacht.

oe24: Vermisst du manchmal das Trainer-Dasein oder bist du schon komplett aufgegangen in deiner TV-Experten-Rolle?

Herzog: Nein, mir macht alles Spaß. Ich sitze als Co-Kommentator im Stadion, denke aber trotzdem wie ein Trainer. Oft denke ich mir: Das würde ich jetzt machen. Manchmal macht es der Trainer genauso, manchmal ganz anders. Dann denkst du: "Boah, bist du narrisch, das ist ein super Trainer." Und manchmal denkst du dir wieder: Mit meiner Idee wäre es vielleicht doch besser gewesen. (lacht)

Im Team-Milka schlüpft Andi wieder in die Trainer-Rolle.
Im Team-Milka schlüpft Andi wieder in die Trainer-Rolle. © Andreas Tischler / Vienna Press

oe24: Werden wir den Andi Herzog noch einmal auf der Trainerbank sehen?

Herzog: Wer weiß. Ich würde im Nachwuchs gerne etwas bewegen. Immer nur zu kritisieren ist einfach – etwas umzusetzen ist die Kunst, vor allem im kritischen Österreich. Vielleicht ergibt sich auch wieder etwas mit Jürgen Klinsmann. In New York hat er gleich gesagt: "Andi, zwei, drei coole Geschichten werden wir schon noch machen." Ich habe nur gesagt: "Jürgen, schauen wir mal."

“"Ich würde im Nachwuchs gerne etwas bewegen. Immer nur zu kritisieren ist einfach – etwas umzusetzen ist die Kunst."”

Andi Herzog

oe24: Was Lothar Matthäus in Deutschland ist, bist du bei uns im TV. Dürfen wir uns auch in der Bundesliga auf den einen oder anderen Herzog-Sager freuen?

Herzog: Ich werde weiter kritisch sein. Ich bin, wie ich bin – authentisch. Da wird mir sicher der eine oder andere Spruch wieder rausrutschen. Aber über einen Paredes zu reden, den ich nie wieder sehe, ist natürlich einfacher als über einen jungen Österreicher, der mir alle zwei Wochen im Stadion begegnet.

oe24: Zum Schluss: Constanze Weiß oder Rainer Pariasek?

HERZOG: Beide. Mit der Constanze ist es richtig cool, weil sie auch den Fußballer-Schmäh mitbringt. Mit dem Reiner habe ich das erste Mal zusammengearbeitet. Da denkst du am Anfang, in sechs Wochen wird‘s schon irgendwann einmal eine Situation geben. Aber es war nicht ein einziges Mal so. Die Zusammenarbeit hat vom ersten Tag an perfekt funktioniert. Er war unglaublich vorbereitet.

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