Filmt in den Mund

Dyson Zahnbürste für 479 Euro löst skurrilen Luxus-Hype aus

© Dyson
Eine Kamera im Bürstenkopf, künstliche Intelligenz und eine automatische Munddusche: Dyson macht aus dem morgendlichen Zähneputzen ein Hightech-Event – und verlangt dafür 479 Euro. Im Netz sorgt die wohl aufwendigste Zahnbürste der Welt entsprechend für Staunen.
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Wer gehofft hatte, zumindest beim Zähneputzen noch zwei Minuten analog leben zu dürfen, muss jetzt stark sein: Nach Staubsaugern, Ventilatoren und sündhaft teuren Haarstyling-Geräten nimmt sich Dyson nun auch unseren Mund vor.

Die neue "CameraJet" ist Dysons erste elektrische Zahnbürste – wobei "Zahnbürste" fast schon zu schlicht klingt. Das Gerät hat eine Kamera, künstliche Intelligenz, WLAN, eine App und einen eingebauten Tank für Mundspülung. Kostenpunkt in Österreich: stolze 479 Euro.

Der Live-Stream, nach dem wirklich niemand gefragt hat

Das skurrilste Feature sitzt direkt unter dem Bürstenkopf: Eine winzige Intraoralkamera mit 100.000 Pixeln nimmt beim Putzen 28 Bilder pro Sekunde auf. Wer möchte, kann sich die Aufnahmen in Echtzeit auf dem Smartphone ansehen – also live dabei zusehen, wie Zahnpasta, Speisereste und Borsten aufeinandertreffen.

Dyson nennt das "sehen, was der Zahnarzt sieht". Für alle anderen dürfte es vor allem der intimste Live-Stream sein, den die MyDyson-App je übertragen hat. Laut Hersteller werden die Bilder weder gespeichert noch geteilt.

Die Dyson CameraJet Zahnbürste filmt in den Mund und schießt mit Wasser © Dyson

Die Zahnbürste denkt mit – und schießt zurück

Die Kamera ist allerdings nicht nur für den etwas gewöhnungsbedürftigen Blick in den eigenen Mund gedacht. Eine KI analysiert die Aufnahmen, erkennt Zahnzwischenräume und löst innerhalb einer Zehntelsekunde einen gezielten Strahl Mundspülung aus. Bis zu 0,15 Milliliter Flüssigkeit werden dabei zwischen die Zähne gesprüht. Putzen, Zahnzwischenräume reinigen und Mundspülung sollen so in einem einzigen Durchgang erledigt werden.

Damit das aus jeder Position funktioniert, besitzt die CameraJet einen sogenannten "Anti-Schwerkraft-Behälter". Schon dieser Begriff klingt eher nach Raumfahrt als nach Badezimmer. Eine eigene Station lädt die Zahnbürste nicht nur auf, sondern befüllt auch den 12,5-Milliliter-Tank mit Mundspülung. Dazu kommen verschiedene Putzmodi, Drucksensoren und ein RFID-Chip, der meldet, wann der Bürstenkopf ausgetauscht werden sollte.

Natürlich gibt es jetzt auch Zahnpasta von Dyson

Weil gewöhnliche Zahnpasta zu stark schäumen und damit die Sicht der Kamera behindern kann, hat Dyson gleich eine eigene schaumfreie Zahncreme und eine schaumreduzierte Mundspülung entwickelt. Ein Starter-Set ist beim Kauf dabei. Die Botschaft ist klar: Wer einmal im Dyson-Zahnkosmos angekommen ist, soll möglichst auch dort bleiben.

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Technik natürlich nicht. Gerade für Menschen, die Zahnseide regelmäßig "vergessen", könnte die automatische Reinigung der Zwischenräume praktisch sein. Dyson behauptet zudem, das Gerät entferne in Labortests bis zu 69 Prozent mehr Plaque als marktführende elektrische Zahnbürsten. Unabhängige Langzeitdaten müssen allerdings erst zeigen, ob der große technische Aufwand den Preis tatsächlich rechtfertigt.

Die Zahnbürste kommt mit nicht schäumender Zahnpasta und schaumreduzierter Mundspülung. © Dyson

661 Ingenieure für eine Zahnbürste

Besonders absurd wird es beim Blick auf die Entwicklung: Laut einem Bericht des "Guardian" arbeitete Dyson sechs Jahre lang mit 661 Ingenieuren an dem Gerät. Die britische Zahnärztevereinigung BDA bremst den Hype bereits und erinnert daran, dass selbst teure Hightech-Gadgets keine konsequente Mundhygiene ersetzen. Entscheidend bleibe, zweimal täglich gründlich zu putzen und den Rat des Zahnarztes zu befolgen.

Technisch ist die CameraJet zweifellos beeindruckend. Gleichzeitig beweist sie, dass im Jahr 2026 offenbar selbst ein Vorgang mit Bürste und Zahnpasta noch kompliziert, vernetzt und luxuriös genug gemacht werden kann, um zum viralen Lifestyle-Hype zu werden. Ob man dafür wirklich fast 500 Euro ausgeben muss? Darüber lässt sich vermutlich länger diskutieren, als man täglich Zähne putzt.

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