Schutzzone

Drogen-Hotspot U6: Täglich kommt der Krankenwagen

Straßenbahngleise, eine Haltestelle und das Gebäude der U6 Gumpendorfer Straße bei bewölktem Himmel.
© oe24 / Nikolai Uzelac
Vor einem halben Jahr wurde rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße eine Schutzzone samt Maßnahmenpaket eingerichtet, wodurch man das Drogenproblem im Grätzel endlich in den Griff bekommen will. Eine erste Bilanz fällt recht ernüchternd aus.
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Seit knapp einem halben Jahr gibt es die Alkoholverbotszone am Westbahnhof sowie die Schutzzone rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße und das umliegende Grätzel. Die zum Teil offen gelebte Drogenszene, die sich um das Tageszentrum Jedmayer spannt, stellt hier - trotz verhängter Maßnahmen der Stadt Wien - ein zunehmendes Problem für Anrainer und Passanten dar. Allein im nahe gelegenen Fritz-Imhoff-Park im 6. Bezirk, der für Suchtpatienten ein willkommener Rückzugsort zum Fixen darstellt und für den ein nächtliches Betretungsverbot besteht, wurden zwischen 8. Mai (dem Beginn der Maßnahmen) und Ende August 652 Betretungsverbote verhängt - also fünf bis sechs pro Tag.

Grüner Park mit Bänken, Bäumen, Spielplatz und bemalter Mauer an der Gumpendorferstraße.
Der Fritz-Imhoff-Park im 6. Wiener Gemeindebezirk. © oe24 / Nikolai Uzelac
Zwei Dokumente an einem Zaun, eines mit Text, das andere zeigt eine Karte eines markierten Bereichs.
Die Verordnung für den Fritz-Imhoff-Park ist am Eingang der Grünanlage für alle sichtbar ausgewiesen. © oe24 / Nikolai Uzelac

Für Gerhard Hammerer (Klubobmann in Mariahilf) und Felix Ofner (Bezirksparteiobmann in Rudolfsheim-Fünfhaus) von der ÖVP fällt die erste Bilanz zu den Verbotszonen ernüchternd aus. Aktuellen Zahlen nach sind seit 2025 die Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz im 6. Bezirk um 63,8 Prozent und im 15. Bezirk um 60,2 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurde beinahe die Hälfte aller in Wien sichergestellten Medikamente in diesen beiden Bezirken beschlagnahmt - die meisten davon in unmittelbarer Nähe des Tageszentrums Jedmayer. Dabei handelt es sich um Wiens zentrale sozialmedizinische Beratungsstelle für Suchtpatienten, wo täglich 493 Spritzentauschs vollzogen werden. Oder anders gesagt: Vier von fünf getauschten Spritzen im gesamten Stadtgebiet entfallen auf diesen Standort.

Gelbes Eckgebäude an einer Kreuzung mit einem „Well. Sucht Hilfe braucht.“-Schild.
Jedmayer - die sozialmedizinische Beratungsstelle für Suchtpatienten im 6. Wiener Gemeindebezirk. © oe24 / Nikolai Uzelac

"Wer mehr als 80 Prozent des Wiener Spritzentauschs an einem einzigen Standort konzentriert, darf sich über die massiven Belastungen im Umfeld nicht wundern. Es ist absurd, dass suchtkranke Menschen aus ganz Wien für niederschwellige Angebote in wenige Grätzel kommen müssen, während die Stadt die bestehenden Möglichkeiten zur Dezentralisierung kaum ausschöpft. Wir brauchen endlich wohnortnahe Substitution, deutlich mehr Apotheken mit Spritzentausch und eine faire Verteilung der Suchthilfe über ganz Wien. Suchtkranke Menschen brauchen Hilfe, aber die Anrainerinnen und Anrainer haben ebenso ein Recht auf Sicherheit und Lebensqualität", betonen Hammerer und Ofner.

Zwei Männer stehen auf einer Straße neben Straßenbahngleisen bei der U6 Gumpendorfer Straße.
Gerhard Hammerer (ÖVP-Klubobmann in Mariahilf) und Felix Ofner (ÖVP-Bezirksparteiobmann in Rudolfsheim-Fünfhaus) machen gemeinsam gegen den Drogen-Hotspot an der U6-Station Gumpendorfer Straße mobil. © oe24 / Nikolai Uzelac

Zahl der Rettungseinsätze explodiert

Laut Volkspartei sind diese Umstände "ein vernichtendes Zeugnis für die Wiener Drogenpolitik, da die Bezirke 6 und 15 einen "völlig unverhältnismäßigen Teil der Belastung" tragen würden. Konkret fordern die Türkisen daher, den Spritzentausch zu dezentralisieren und das Apothekenprogramm auszubauen. Derzeit bieten nämlich bloß sechs von 342 Apotheken in Wien den Tausch von Spritzen an. Es gehe vor allem darum, die medizinische Versorgung wohnortnah zu gestalten und so das Jedmayer zu entlasten.

Straßenbahngleise vor einer weißen U-Bahn-Station mit Bäumen und wartenden Personen an der Haltestelle.
Der Drogen-Hotspot an der U6-Station Gumpendorfer Straße. © oe24 / Nikolai Uzelac

Weiters machen sich Hammerer und Ofner dafür stark, die aktuelle Schutzzone zu verlängern und die Videoüberwachung vor Ort auszuweiten. Dabei wolle man den Fokus ebenso auf den Schutz der Anrainer und Passanten legen wie auf den für die Suchtpatienten selbst. Denn beim Jedmayer besteht akuter Handlungsbedarf: Seit 2020 sind die Rettungseinsätze um 249,2 Prozent, die Einlieferungen in ein Krankenhaus sogar um 275,3 Prozent gestiegen. Damit kam es im vergangenen Jahr rechnerisch beinahe täglich zu einer Krankenhauseinlieferung aus diesem Bereich.

Zwei Männer sitzen in einem Café an einem Tisch mit Wasserflaschen und Papieren, einer spricht.
Gerhard Hammerer (ÖVP-Klubobmann in Mariahilf) und Felix Ofner (ÖVP-Bezirksparteiobmann in Rudolfsheim-Fünfhaus) bei einem Hintergrundgespräch zum Drogen-Hotspot U6-Station Gumpendorfer Straße. © oe24 / Nikolai Uzelac

"Wir wollen suchtkranke Menschen nicht verdrängen, sondern die Hilfe besser organisieren. Es ist weder sozial noch vernünftig, einen derart großen Teil der Wiener Suchthilfe und die damit verbundenen Belastungen auf wenige Grätzel zu konzentrieren. Substitution, Spritzentausch und niederschwellige Angebote müssen wohnortnäher und fair über Wien verteilt werden. Die Menschen in Mariahilf und Rudolfsheim-Fünfhaus dürfen nicht länger die Folgen dieser einseitigen Konzentration tragen – die Stadt muss die Suchthilfe endlich fair über ganz Wien verteilen", so Ofner abschließend.

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