Neue Studie
Doppelt so viel Gewichtsverlust: Neue Abnehmspritze schlägt Ozempic
Im Rennen um wirksamere Abnehmmedikamente legt der US-Pharmakonzern Eli Lilly nach: Laut den am 28. Oktober veröffentlichten Ergebnissen der Phase-III-Studie TRANSCEND-T2D-2 verloren Menschen mit Typ-2-Diabetes mit Retatrutid in der höchsten geprüften Dosierung von zwölf Milligramm nach 80 Wochen durchschnittlich 20,9 Prozent ihres Körpergewichts. Mit Ozempic in der Dosierung von zwei Milligramm waren es 9,4 Prozent. Der Gewichtsverlust fiel damit mehr als doppelt so groß aus.
Drei Angriffspunkte gegen die Kilos
Was macht Retatrutid so besonders? Der Wirkstoff aktiviert gleichzeitig die Rezeptoren für drei körpereigene Hormone: GLP-1, GIP und Glukagon. Fachleute sprechen deshalb von einem Dreifach-Agonisten. In den Studien wird das Medikament einmal pro Woche unter die Haut gespritzt.
Die Idee dahinter: Mehrere Mechanismen sollen gemeinsam das Gewicht und den Blutzucker beeinflussen. GLP-1 unterstützt das Sättigungsgefühl und reduziert Hunger. GIP fördert die Insulinausschüttung abhängig vom Blutzuckerspiegel. Über den zusätzlichen Glukagon-Rezeptor soll auch der Energieverbrauch steigen.
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Was der Vergleich mit Ozempic zeigt
So eindrucksvoll die Zahlen sind: Verglichen wurde Retatrutid mit Ozempic zur Diabetesbehandlung. Ozempic enthält Semaglutid und ist in der EU für Erwachsene mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes zugelassen. Der gleiche Wirkstoff wird unter dem Namen Wegovy auch zur Gewichtsbehandlung eingesetzt. Die neue Untersuchung ist daher kein direkter Vergleich mit sämtlichen verfügbaren Abnehmtherapien.
Außerdem handelt es sich bislang um erste Herstellerergebnisse; die vollständige Fachpublikation steht noch aus. Die Prozentwerte beruhen auf einer statistischen Auswertung unter der Annahme, dass die Behandlung fortgeführt und keine zusätzliche blutzuckersenkende Medikation begonnen wird.
Starke Wirkung – aber auch Nebenwirkungen
Besonders häufig waren Magen-Darm-Beschwerden: Bei zwölf Milligramm Retatrutid berichteten 32,7 Prozent über Durchfall, 23,8 Prozent über Übelkeit und 15 Prozent über Erbrechen. Auch Verstopfung und Missempfindungen der Haut kamen vor. Laut Lilly waren die meisten Beschwerden leicht bis mittelschwer. Allerdings brachen 7,9 Prozent die Behandlung wegen unerwünschter Ereignisse ab – gegenüber 2,7 Prozent unter Ozempic.
Gibt es Retatrutid schon in Österreich?
Retatrutid ist derzeit weder in Österreich noch anderswo als Arzneimittel zugelassen. Der Wirkstoff befindet sich weiterhin in klinischer Entwicklung.
Einen nächsten Schritt hat Lilly bereits angekündigt: Das Unternehmen plant, im ersten Quartal 2027 einen Zulassungsantrag in den USA einzureichen.
Für den österreichischen Markt wäre eine entsprechende EU-Zulassung erforderlich: Die Europäische Arzneimittelagentur EMA bewertet den Antrag, die Europäische Kommission entscheidet über die Zulassung. Wann das Mittel anschließend tatsächlich erhältlich wäre, hängt auch vom Marktstart des Herstellers ab.
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