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"Die Blutgräfin": Eine vampirische Schnitzeljagd durch Wien

"Die Blutgräfin"
© Amour-Fou Veronique-Kolber
Ulrike Ottingers starbesetzter Film als opulente Vampirstory an touristischen Hotspots - Isabel Huppert am Samstag bei Viennale-Premiere. Filmstart am 30. Oktober.
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Vampire in Wien? Alle 25 Jahre hat Inspektor Unglaube den Verdacht, die unerklärliche Häufung von Morden mit blutleeren Opfern gehe nicht mit rechten Dingen zu. Nun ist es wieder so weit. Diesmal ist er sicher, die Täter dingfest machen zu können. Das ist der Krimiplot des rund um Isabelle Huppert starbesetzten Films "Die Blutgräfin" von Ulrike Ottinger, der am Samstag bei der Viennale zu sehen ist und am 30. Oktober dann regulär ins Kino kommt.

"Die Blutgräfin"
"Die Blutgräfin" © Hersteller

Ottinger, deutsche Avantgardefilmemacherin des Jahrgangs 1942, hat für ihren opulenten Ausflug in die Welt der Untoten nicht nur Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek als Co-Autorin der Dialoge sowie den preisgekrönten Kameramann Martin Gschlacht gewonnen, auch der Cast an der Seite des französischen Superstars Huppert ist prominent. Zofe Hermine, seit dem letzten Aufenthalt der im Kontakt zu jungen Frauen liebeshungrigen und blutdürstigen Gräfin im Hotel "Königin von Ungarn" (kleiner Scherz für Insider, die an derselben Adresse den "König von Ungarn" kennen) selbst Vampirin, spielt Birgit Minichmayr. Karl Markovics ist der Kommissar, Thomas Schubert der aus der Art gefallene, weil vegetarische Vampirneffe Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau, Lars Eidinger sein bis zuletzt skeptischer Psychotherapeut.

Opulente Ausstattung, prominente Schauplätze

Mit André Jung als Vampirologen, Maresi Riegner als erstem Opfer und Branko Samarovski als Hotelportier sind auch Minirollen hochkarätig besetzt. Doch die wahren Stars dieses Sieben-Millionen-Euro-Films, der von der mittlerweile wieder eingestellten Standortförderung ÖFI+ profitierte, sind die opulente Ausstattung (Szenenbild: Christina Schaffer, Kostümbild: Jorge Jara Guarda, Maskenbild: Tünde Kiss-Benke) und die Schauplätze.

"Die Blutgräfin"
"Die Blutgräfin" © Amour-Fou Petro-Domenigg

Der Prunksaal der Nationalbibliothek und der Prater, die Strudlhofstiege und der Narrenturm, die Jugendstiltoilette am Graben und das Café Hawelka (wo Inge Maux als Frau Hawelka die legendären Buchteln serviert), der Heldenberg und die Seegrotte in der Hinterbrühl: Ottinger hat fast nur an touristischen Hotspots gedreht und dabei Vergangenes mit Heutigem wild gemixt. Die Blutgräfin fährt prunkvolle Kutschen, aber auch U-Bahn; in der Stadt sind Laternenanzünder unterwegs, drehen sich aber auch Waschmaschinen, aus denen Blut quillt.

Tanz der Vampire im Semperdepot

Auch genremäßig legt sich Ottinger in dieser österreichisch-deutsch-luxemburger Koproduktion, zu der Wolfgang Mitterer die Musik beigesteuert hat, nicht fest: Ausstattungsorgien und pointierte Miniszenen wechseln einander ebenso ab wie Klamauk und Groteske. Politische Seitenhiebe dürfen ebenfalls nicht fehlen: Die männliche Verwandtschaft des armen Baron Bubi tritt als Horde schlagende Burschenschafter auf, die Kirche kommt ebenfalls nicht gut weg. Der Tanz der Vampire wird im Semperdepot gefeiert und gerät in einer fast schon surrealen Choreografie zum Schlachtfest.

"Die Blutgräfin"
"Die Blutgräfin" © Amour-Fou Petro-Domenigg

Als Drehbuchautorin hat sich Ottinger nur wenig an der Lebensgeschichte der legendär grausamen Gräfin Erzsébet Báthory (1560-1614), die in Jungfrauenblut gebadet haben soll, orientiert. "Der Film und die Figur entspringen mehr ihrer Fantasie als den Geschichtsbüchern", hatte Huppert bei den Dreharbeiten im APA-Interview erklärt. "Es ist kein historischer Film, es ist auch kein psychologischer Film. Es ist ein Märchen, manchmal grausam, manchmal komisch." Der Star schreitet majestätisch durch mitunter erratische Szenen, spricht meist Französisch, seltener Deutsch mit charmantem Akzent und zeigt auch die Zähne. Übrigens darf man neidlos feststellen: Rot steht ihr gut.

Arcimboldo-Code, Cobra und Conchita

Als Motor der Handlung dient ein Einfall, der den Film zu einer Schnitzeljagd à la Dan Brown werden lässt. Es soll ein Buch geben, das alle Vampire für immer sterben lässt, wenn einer von ihnen über ihm Tränen vergießen sollte. Ausgangspunkt ist Giuseppe Arcimboldos Gemälde "Der Bibliothekar" - also Arcimboldo-Code statt DaVinci-Code. Die Gräfin und ihr Neffe begeben sich aus sehr unterschiedlichen Motiven auf die Jagd nach Hinweisen zum Verbleib des Buches, die bis ins Wiener Umland führen.

"Die Blutgräfin"
"Die Blutgräfin" © Amour-Fou

In einer Krypta des Heldenbergs nahe Hollabrunn, wo Feldmarschall Radetzky offenbar bis in alle Ewigkeit dazu verdammt ist, mit seinen K. u. k.-Kumpanen alte Schlachten nachzuspielen, wird man fündig. Am Höhepunkt einer immer grotesker werdenden Szene tritt nicht nur das Einsatzkommando Cobra, sondern auch Conchita auf. Nach zwei vorangegangen Rollen als Zeremonienmeister und queerer Kleinkünstler erinnert Tom Neuwirth hier noch einmal an seine Sternstunde und muss völlig grundlos "Rise like a Phoenix" schmettern. Und wieder weiß man nicht so recht: Persiflage oder ernst gemeint?

"Die Blutgräfin"
"Die Blutgräfin" © Amour-Fou

Zum Showdown kommt es schließlich bei einem gemeinsamen abendlichen Dinner der wichtigsten Beteiligten im Gourmetwaggon des Riesenrads. Über seinen Verlauf wird selbstverständlich nichts verraten. Nur so viel: Es wird Blutwurst serviert.

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