Wehrmauern erhöht

5.000-jährliches Hochwasser: Wien hat vorgesorgt

Betonierter Hochwasserschutzkanal mit Graffiti, umgeben von bewachsener Natur und Herbstbäumen.
© TBauer
Wien hat beim Hochwasserschutz nachgerüstet. Für 33,6 Millionen Euro wurden die sechs Rückhaltebecken am Wienfluss ausgebaut. Sie sollen nun selbst einem 5.000-jährlichen Hochwasser standhalten.
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Das Hochwasser im September 2024 hat Wien an seine Grenzen gebracht. Besonders dramatisch war die Situation am Wienfluss, der innerhalb kürzester Zeit zu einem reißenden Strom angeschwollen ist. Die sechs Rückhaltebecken in Auhof haben damals Schlimmeres verhindert, ihre Kapazität war allerdings erstmals nahezu vollständig ausgeschöpft. Nun hat die Stadt den Hochwasserschutz massiv ausgebaut und dafür 33,6 Millionen Euro investiert.

Schutzmauern um bis zu einen Meter erhöht

Innerhalb von zwei Jahren ist die historische Anlage auf einem 37 Hektar großen Areal zwischen dem Lainzer Tiergarten und der Westbahnstrecke umfassend saniert worden. Auf einer Gesamtlänge von 1,2 Kilometern wurden die Wehrmauern der sechs Rückhaltebecken um bis zu einen Meter erhöht. Auch die Wehrschwellen sind um 50 Zentimeter gewachsen. Zusätzlich wurden Ablagerungen aus den Becken entfernt, um mehr Platz für die Wassermassen zu schaffen.

Drei Personen stehen auf einer neuen Hochwasserschutzanlage im Freien.
Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner, Bürgermeister Michael Ludwig und Stadträtin Ulli Sima. © TBauer

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Rückhaltebecken fassen nun 1,23 Millionen Kubikmeter Wasser. Damit soll der Wienfluss künftig sogar einem 5.000-jährlichen Hochwasser standhalten. Vor dem Ausbau war die Anlage für ein 1.000-jährliches Ereignis ausgelegt. Zum Vergleich: Der übliche Hochwasserschutzstandard für besiedelte Gebiete in Österreich orientiert sich an einem 100-jährlichen Hochwasser.

"Wenn einmal die höchste Marke erreicht ist, dann ist es Zeit, Maßnahmen zu setzen", erklärt die für die Wiener Gewässer zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Dass die Arbeiten bereits zwei Jahre nach dem Rekordhochwasser abgeschlossen sind, sei keineswegs selbstverständlich.

Ein Graureiher sitzt auf einem Metallgeländer am Hochwasserschutz bei herbstlichem Laub.
Auch dieser Reiher wollte sich die Pressekonferenz am Donnerstag nicht entgehen lassen. © TBauer

440.000 Liter Wasser pro Sekunde

Wie schnell sich die Situation zuspitzen kann, haben die Verantwortlichen im September 2024 erlebt. Während der Wienfluss normalerweise nur rund 200 bis 500 Liter Wasser pro Sekunde führt, sind es beim damaligen Hochwasser bis zu 440.000 Liter gewesen. Innerhalb von nur zwei Stunden kann sich der sonst eher unscheinbare Fluss in einen reißenden Strom verwandeln.

Überfluteter Fluss mit Hochwasserschutz-Geländer in einer Stadt bei starkem Regen.
Wo sonst wenig Wasser fließt, rauschte 2024 bei der U-Bahn-Station Ober St. Veit ein reißender Strom vorbei. © TBauer
Menschen gehen und fahren Fahrrad auf einem Weg entlang eines betonierten Kanals mit Hochwasserschutzmauer.
Im Normalfall führt der Wienfluss rund 200 bis 500 Liter Wasser pro Sekunde. © TBauer

Besonders tückisch ist dabei das Einzugsgebiet im Wienerwald. Dort können heftige Regenfälle niedergehen, während in der Stadt noch die Sonne scheint. Weil die Böden nur wenig Wasser aufnehmen, gelangen enorme Wassermengen innerhalb kürzester Zeit in den Wienfluss.

Auch Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sieht angesichts des Klimawandels weiteren Handlungsbedarf. Heftige Starkregenereignisse könnten die Stadt künftig vor neue Herausforderungen stellen. Die Investition in Auhof hält er deshalb für notwendig. "Das ist uns das wert, weil wir damit sicherstellen, dass wir große Schäden in der Stadt vermeiden können", betont Ludwig.

Donauinsel: Ludwig mit Seitenhieb auf ÖVP

Zwei Männer besichtigen eine Hochwasserschutzanlage an einem Fluss.
Bürgermeister Ludwig inspiziert die sanierten Rückhaltebecken in Auhof. © TBauer

Bei seinem Rückblick auf die Geschichte des Wiener Hochwasserschutzes erinnert Ludwig auch an den Bau der Donauinsel. Diese haben sich bei den großen Hochwasserereignissen der vergangenen Jahrzehnte bewährt und schützen insbesondere die früher regelmäßig von Überschwemmungen betroffenen Bezirke entlang der Donau. Einen Seitenhieb auf die ÖVP konnte sich der Bürgermeister dabei nicht verkneifen. Diese habe das Projekt damals für unnötig gehalten, während andere politische Strömungen den Eingriff in die Natur kritisiert hätten. Bei der Eröffnung seien dann allerdings wieder alle dabei gewesen, merkt Ludwig spöttisch an. Heute ist die Donauinsel zugleich Hochwasserschutz und beliebtes Naherholungsgebiet.

Auch U-Bahn soll besser geschützt werden

Bei der Sanierung sind insgesamt rund 11.000 Kubikmeter Beton verbaut worden. Weil die mehr als 120 Jahre alte Hochwasserschutzanlage unter Denkmalschutz steht, mussten zudem historische Bauteile erhalten bleiben. So wurden etwa 2.500 Meter Geländer nach den Vorgaben des Bundesdenkmalamts erneuert.

Wasser überflutet die U-Bahn-Gleise der Linie U6 in einem Tunnel in Wien nach Starkregen.
Wegen der bedrohlichen Lage musste 20024 auch der U-Bahn-Betrieb massiv eingeschränkt werden. © APA/JAKOB SCHÖNFELDINGER

Die zusätzlichen Schutzmaßnahmen sollen verhindern, dass die Wassermassen bei einem Extremereignis unkontrolliert in das dicht bebaute Stadtgebiet gelangen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der U4. Beim Donaukanal wurden deshalb auch die Schutzmauern zur U-Bahn verstärkt, um einem möglichen Rückstau vorzubeugen.

In der Ludwiggasse in Penzing ist zudem eine neue Hochwasserschutzmauer entstanden, die Anrainer vor Überschwemmungen schützen soll.

Weitere Maßnahmen bereits geplant

Auch an den kleineren Wienerwaldbächen wird der Hochwasserschutz ausgebaut. Nach der Fertigstellung eines Rückhaltebeckens am Kräuterbach im Jahr 2025 ist für heuer unter anderem ein neuer Schutzrechen am Lainzerbach vorgesehen. Für ein weiteres Rückhaltebecken am Petersbach sollen die benötigten Grundstücke angekauft werden. Parallel dazu arbeitet die Stadt am Liesingbach weiter an einer Kombination aus Hochwasserschutz und Renaturierung. Durch die Aufweitung des bislang stark verbauten Bachbetts sollen zusätzliche natürliche Überflutungsflächen entstehen, damit sich das Wasser bei starken Regenfällen kontrolliert ausbreiten kann.

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