Tierleid
Wolle – das Leid hinter dem Naturprodukt
Doch wie kann ein so harmlos wirkendes Produkt mit so viel Tierleid verbunden sein?
Woher kommt Wolle?
Um aus dem Fell von Schafen Wolle herzustellen, wurden die Haare der Tiere früher während des natürlichen Fellwechsels ausgezupft. Da der Mensch die Tiere jedoch noch besser "nutzbar" machen wollte, züchtete er dem Wildschaf diesen Fellwechsel weg. Nach der Erfindung des Schermessers wurde den Tieren zudem ein ständiges
Vlieswachstum angezüchtet, um möglichst viel weiche Unterwolle nutzen zu können.
Das Urschaf: Das Merinoschaf stammt vom Mufflon ab, der einen natürlichen Fellwechsel hat. Er trägt immer so viel Wolle, dass seine Körpertemperatur den jahreszeitlichen Bedingungen optimal angepasst ist. Das Merinoschaf vor 200 Jahren produzierte pro Jahr in etwa 1,5-2 kg Wolle, das Merinoschaf von heute hingegen bis zu 18 kg Wolle pro Jahr.
Diese Zucht macht die Tiere von der regelmäßigen Schur abhängig. Bei Hitzewellen können sie unter ihrem starken Haarwachstum unter Hitzestress leiden. Wird dagegen zu früh geschoren und kommt anschließend ein Kälteeinbruch, können die Tiere sogar erfrieren.
Unsere Tiere – Das große oe24.TV-Tierschutzmagazin von Sonntag, 20.09.2026, hier in voller Länge sehen. Nächste Ausgabe Unsere Tiere: 27.09.2026, 18:30 Uhr.
Mulesing
Besonders umstritten ist die Haltung von Merinoschafen in Australien. Die Tiere wurden auf möglichst hohe Wollproduktion gezüchtet und haben deshalb besonders viele Hautfalten. Gerade am Hinterteil sammeln sich dort Feuchtigkeit und Urin. Fliegen werden angelockt und können ihre Eier in den Hautfalten ablegen. Die geschlüpften Larven fressen sich anschließend in das Gewebe der Schafe.
Um diesen sogenannten Fliegenmadenbefall zu verhindern, wird Lämmern ohne Betäubung Haut und Fleisch rund um den Schwanz und am Hinterteil herausgeschnitten. Zurück bleibt eine große Wunde, die später vernarben soll. Laut PETA wurden 2023 noch immer rund 58 Prozent der australischen Schafe auf diese Weise verstümmelt.
Bei der Schur fließt Blut
Auch die Schur selbst ist schmerzhaft und mit extremer Gewalt verbunden. Schafe, Alpakas, Ziegen und Kaninchen sind Fluchttiere und wehren sich häufig gegen die ungewohnte Behandlung. Laut Tierschutzorganisationen werden sie deshalb gewaltsam fixiert.
Scherer können bei hohem Arbeitstempo bis zu 250 Tiere an einem Tag bearbeiten. Dabei kommt es immer wieder zu Schnittverletzungen. Internationale Undercover-Recherchen von Tierschutzorganisationen dokumentierten blutige Wunden, Schläge und weitere Misshandlungen.
Besonders drastisch: Laut PETA wurden bei dokumentierten Fällen Verletzungen teilweise direkt vor Ort mit Nadel und Faden vernäht – ohne Schmerzmittel. Verletzte oder als "unprofitabel" geltende Schafe seien in einzelnen Fällen vor den Augen anderer Tiere erschossen worden.
Angorakaninchen: Fell wird aus der Haut gerissen
Noch drastischer ist die Kritik an der Angorawolle. Rund 90 Prozent der Angorawolle stammen laut PETA aus China. Dort werden Angorakaninchen häufig einzeln in kleinen Käfigen gehalten, obwohl sie soziale Tiere sind und Artgenossen brauchen. Alle drei Monate werden sie laut PETA aus ihren Käfigen geholt, um das Fell zu entnehmen. Oft wird den Kaninchen das Fell mit Gewalt aus der Haut heraus gerissen.
Die Tiere erleiden dadurch schwere Verletzungen. Laut PETA sterben manche sogar infolge der Tortur an Herzversagen. Die Schreie der Kaninchen zeigen, wie grausam dieser Prozess ist.
Auch Alpakas und Ziegen sind betroffen
Für Mohair werden Angoraziegen gehalten, für Kaschmir Kaschmirziegen und für Alpakawolle Alpakas. Auch hier berichten Tierschutzorganisationen grausame Prozeduren. Außerdem fehle es oft an tierärztlicher Versorgung.
Wenn die Tiere weniger Wolle liefern
Die Wollindustrie endet für viele Tiere nicht mit der Schur. Wenn die Wollproduktion nachlässt, werden die Tiere häufig für Fleisch genutzt und schließlich getötet.
Auch der Transport kann erhebliche Belastungen verursachen. Australien ist einer der weltweit größten Exporteure lebender Schafe. 2024 wurden laut PETA mehr als 430.000 Schafe per Schiff aus Australien exportiert. Die Tiere stehen dabei dicht gedrängt auf den Schiffen, teilweise über Wochen in ihrem eigenen Kot. Temperaturen von bis zu 40 Grad können hinzukommen. Laut Tierschutzorganisationen sterben Tiere während solcher Transporte unter anderem an Hitzschlag, Stress oder Krankheiten.
Wer die Reise überlebt, wird unter anderem in Länder des Nahen Ostens gebracht. Dort werden die Tiere laut PETA teilweise unter Schlägen und Tritten ausgeladen und anschließend ohne Betäubung geschlachtet.
Wolle aus Umweltsicht
Tierische Wolle hat eine enorm schlechte Umweltbilanz. Durch ihre Ausscheidungen produzieren Schafe, Alpakas und Ziegen jede Menge Methan und fördern dadurch die globale Erwärmung. Die massenhafte Zucht der Tiere verschlingt eine Menge Ressourcen in Form von Nahrungsmitteln, Wasser und Land. Abgrasung, Bodenerosion und die Verwandlung ganzer Landstriche in Wüsten sind die Folge dieser intensiven Tierhaltung. Auch der massive Einsatz von Pestiziden verschmutzt Böden und Gewässer. So werden viele Schafe und Ziegen zum Schutz vor Parasiten mit sogenannten Chemiebädern behandelt, die enorm umweltschädlich sind.
Ob aus Tierschutzsicht oder der Umwelt zu Liebe: zahlreiche Alternativen stehen zur Verfügung – etwa Baumwolle, Leinen, Lyocell, Modal oder andere pflanzliche und synthetische Fasern. Im Vergleich zu tierischer Wolle schneiden diese Alternativen aus Umwelt- und Tierschutzsicht immer noch besser ab.
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