Neuer Teil

Aichner: Comeback seiner Totenfrau

Ein Mann mit grüner Jacke steigt aus einer Bodenluke in einem historischen Gebäude.
© www.fotowerk.at
"TOTENFRAU - Die Rückkehr" - Endlich ein neuer Band der Reihe!
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Mehr als zehn Jahre ist es her, da wurde Totenfrau zum Thriller-Hit und Autor Bernhard Aichner quasi über Nacht berühmt (obwohl er bereits davor für sein Schreiben mehrfach ausgezeichnet wurde).

Erfolgreiche Serie

Die Reihe dreht sich um Bestatterin Brünhilde Blum, von allen nur mit ihrem Nachnamen angesprochen, und das grauenvolle Verbrechen an ihrer großen Liebe. Sie rächt sich und wird zur kompromisslosen Mörderin. 2021 wurde die Geschichte als Serie für den ORF und den Streamer Netflix umgesetzt mit Anna Maria Mühe in der Hauptrolle.

Es folgten weitere Bände der Reihe und nach einer längeren Pause ist Blum wieder zurück und feiert ihr Comeback: In Totenfrau – Die Rückkehr treffen wir Blum in ruhiger, idyllischer Umgebung.

Buchcover von "Totenfrau – Die Rückkehr" von Bernhard Aichner mit Boot auf aufgewühltem Wasser.
Bernhard Aichner © www.fotowerk.at

Die Töchter sind längst flügge, leben sicher im Ausland, Blum hat sich mit Reza in Kroatien niedergelassen, bietet Charterausflüge in die Umgebung an. Ein Todesfall erschüttert die heile Welt, doch Blum weiß, was sie tun muss. Doch dann kommt es bald zu weiteren (tödlichen) Verstrickungen.

So ist die Rückkehr

Bernhard Aichner erzählt im oe24-Buchtalk (unten), das Comeback von Blum habe viel mit der Verfilmung zu tun. Für uns ist der neue Band eine konsequente Rückkehr zur Erzählweise der Totenfrau-Anfänge: Blum ist zwar älter, in sich ruhender, muss allerdings trotzdem knallharte Entscheidungen treffen. Dazu machen auch ganz menschliche Probleme - wie die Entfremdung von ihrer Tochter Nela - nicht halt vor dieser Frau, die viele Menschen getötet hat.

Aichner hat die Story in die Jetzt-Zeit geholt, wir Lesende müssen uns zwischendurch fragen, was ein (Frauen-)leben wert ist ... Die Rückkehr ist spannend und vor unserem inneren Auge bereits verfilmt.

oe24-Buchtalk mit Bernhard Aichner

Lieber Herr Aichner, "Totenfrau – Die Rückkehr" heißt Ihr neues Buch, wie ist die Blum, die wir als Lesende hier treffen?

Sie ist beinahe glücklich, versucht, mit der Schuld, die sie auf sich geladen hat, zu leben. Ist nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass Blum bisher 13 Menschen umgebracht hat. Doch das Buch fängt ganz friedlich an. Alles könnte für immer so bleiben. Doch dann geht es Schlag auf Schlag, die Vergangenheit kommt zurück, das Böse lässt sich nicht auf Dauer wegsperren.

“Ich liebe Blum. Sie ist wirklich die absolut Coolste. Außerdem hat sie mir den Durchbruch als Autor ermöglicht, ich bin ihr sehr, sehr dankbar.”

Bernhard Aichner

Warum haben Sie die Totenfrau-Reihe jetzt fortgesetzt und wie hat es sich für Sie angefühlt?

Die Totenfrau noch einmal zurückzuholen, hat viel mit der Netflix-Verfilmung zu tun. Durch den Dreh und die intensive Auseinandersetzung mit den Produzenten war ich mit dieser Figur wieder verbunden. Ich liebe Blum. Sie ist wirklich die absolut Coolste. Außerdem hat sie mir den Durchbruch als Autor ermöglicht, ich bin ihr sehr, sehr dankbar. Und wollte deshalb ihre Geschichte unbedingt weitererzählen.

Ein Mann mit Brille sitzt vor einem Bücherregal in einer Bibliothek oder Buchhandlung.
Bernhard Aichner © www.fotowerk.at

Hat die Serienverfilmung etwas an Ihrer schreibenden Herangehensweise verändert?

Ich habe vor 20 Jahren in mein Notizbuch geschrieben, dass ich Bücher schreiben möchte, die wie Filme sind. Man beginnt zu schauen und kann nicht mehr damit aufhören. Erzählen in Bildern, hohes Tempo, fetzige Dialoge. Ich habe immer schon so geschrieben. Dass die Filmproduzenten das gut gefunden haben, freut mich natürlich. Im Moment sind mehrere Filmprojekte in der Warteschleife, wer weiß, wahrscheinlich schafft es bald auch noch eine andere meiner Heldinnen auf die Leinwand …

“Ich habe mir beim Schreiben vorgestellt, wie heftig es sein muss, wenn eine junge Frau plötzlich erfährt, dass ihre Mutter eine Serienmörderin ist.”

Bernhard Aichner

Blums erwachsene Tochter Nela hat sich von der Mutter entfernt. Steht Blum, die sonst alles schafft, die heftigsten Dinge erlebt, hier an?

Ich habe mir beim Schreiben vorgestellt, wie heftig es sein muss, wenn eine junge Frau plötzlich erfährt, dass ihre Mutter eine Serienmörderin ist. Wie geht man als Kind damit um? Hört man auf, seine Mutter zu lieben? Hat man Angst, selbst so zu sein, weil man dieselben Gene hat? Für Blum ist es eine große Herausforderung, ihre eigene Sprachlosigkeit zu überwinden, mit ihrer Tochter zu reden, damit sie sie nicht verliert. Im Lauf des Buches begreift Nela, warum ihre Mutter so gehandelt hat, das Böse macht auch vor ihr nicht Halt.

Mühe als "Totenfrau"
Netflix-Serie: Anna Maria Mühe als "Totenfrau" © Netflix

Das Thema des Buches kann man Richtung Epstein einordnen – reiche Männer, die sich alles nehmen. Wird sich das jemals ändern?

Das Schöne an meiner Figur Blum ist ja, dass sie sich wehrt, sich den Mächtigen entgegenstellt. Sieht sie eine Ungerechtigkeit, will sie es wiedergutmachen. Für Blum gibt es keine Grenzen, auch wenn sie sich im Grunde an die Regeln halten will, ist sie bereit, sie zu brechen. In Zeiten, in denen Femizide an der Tagesordnung stehen, ist es für mich als Autor besonders schön, den Spieß in meinen Büchern umzudrehen. Wir Frauen ermächtigen uns selbst und wehren uns.

Wie geht es weiter mit der Totenfrau?

Ich schreibe im Moment einen anderen Thriller, etwas völlig Neues, aber ich habe das Ende der neuen Totenfrau so gnadenlos spannend offengelassen, dass meine Leserinnen hoffentlich wahnsinnig gespannt sind, wie das Ganze weitergeht. Irgendwann werden wir es bestimmt erfahren. (lacht)

"Totenfrau - Die Rückkehr" ist im Rowohlt Verlag erschienen.

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