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Heute früh, als ich mir die Zähne putzen wollte, saß plötzlich das Christkind in meinem Badezimmer. Es hatte dunkle Ringe unter den Augen, und seine Mundwinkel zeigten nicht nach oben. Ich hatte mir das Christkind … irgendwie himmlischer vorgestellt. „Hallo Du“, sagte das Christkind mit scheppernder Stimme, „wie stehst du eigentlich zur Bewaffnung von Kindern?“ „So ähnlich wie zum Weltfrieden“, sagte ich. „Alles im Leben ist relativ.“ Das Christkind zog die Mund­winkel weiter nach unten. „Wir müssen was klären“, sagte es kratzig. „Es handelt sich um den Christkindbrief.“ Ja, der Brief des Fünfjährigen. Er klebte darin aus Spielzeugkatalogen seine Wünsche zusammen. Plastikschwert. Batman-Super-Soaker-Spritzpistole. Cowboy-Gewehr. Spiderman-Figuren. „Schpritzpischtolen töten nischt!“ nuschelte ich beim Zähneputzen, „sei dosch nischt so kleinlisch!“ 
„Kleinlich? Hä?“, kreischte das Christkind (es schien mir übernächtigt). „Du schenkst deinem Kind zu Weihnachten Waffen? Hast du sie nicht mehr alle?“ Ich putzte mir die Zähne fertig. „Spiderman rettet die Guten vor dem grauenvollen Krakenmann“, sagte ich. „Und der Kinderpsychologe Bruno Bettelheim hat einmal geschrieben, man dürfe Kindern nicht die Waffen verweigern, sonst fühlen sie sich ausgeliefert (gut, dass mir das gerade einfiel. Ich sagte dem Christkind lieber nicht, dass Bettelheim nach seinem Tod in Amerika Bruno Brutalheim genannt wurde). „Pfui“, sagte das Christkind und spuckte aus (diese Christkinder heute gehören eigentlich verhaftet). „Du bist ein grottenschlechtes Vorbild!“ Dann zündete es sich eine an. „Du rauchst?“, fragte ich. Das Christkind paffte mir ins Gesicht. „Anders ist der Scheiß ja derzeit nicht zu packen“, sagte es. „Sieh dir doch meine Briefe an! Nur Müll gewünscht! Und brutale Mutter-Exemplare wie du boykottieren sogar den Weltfrieden.“ 
Es inhalierte jetzt mit kurzen, hastigen Zügen. „Schau“, sagte ich. „Im Kindergarten meines Sohnes lief ein Friedensprojekt. Beim Abschlussfest zerlegten die Kinder die kleinen tibetanischen Friedensflaggen und spielten mit den Fahnenstangen Stech-Schwert.“ Das nervige Christkind wollte sich jetzt ein Schaumbad einlassen (was wirklich unerhört war). Da kam das Kind, und es machte einen Abgang. „Was tust du da?“ fragte das Kind. „Zähneputzen“, sagte ich. Vor Weihnachten sollte ich das aber ab sofort besser lassen.

Kommentare

warum tut sich dieses christkind nur diese sache an, muß man sich fragen.
metalle sind fürs eine oder andere herz nicht gut bzw. unverträglich sogar.
rauchen tut es auch noch, aber immerhin trägt es zum umsatz bei und der finanzminister wird sich darüber vielleicht freuen.
dieses christkind ist ein tolles vorbild und die kassen klingeln sogar.
hoffentlich hat dieses christkind keine zahnspange aus metall, weil, ob er metalle verträgt wissen wir nicht wirklich!!

Von: Luft-Kind am 19.12.2009 um 16:01


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