Val d’Isère. Gestern, kurz vor 10.00 Uhr, am Fuße der Solaise. Die Sonne blinzelt übern Gipfel, doch es hat locker minus 20 Grad. Der Schnee knirscht unter meinen Schritten. Ich blicke den Hang hinauf und schon schießt sie mir entgegen. Doppelweltmeisterin Lindsey Vonn kämpft sich den Slalomkurs herunter. Sie boxt die Kippstangen beiseite, bei jeder Berührung hört man ein dumpfes Peitschen.
Große Schmerzen. „Hi, Lindsey!“, begrüße ich sie. „Wie geht es dir?“ Sie lächelt mich an, dann verzieht sie ihr hübsches Gesicht. „Ich habe große Schmerzen“, gesteht sie und hält mir ihre rechte Hand demonstrativ vor die Nase. Sie fährt mit Spezialschiene, dick vermummt. Mit grauem Tapeverband wurde der Skistock provisorisch an der verletzten Hand fixiert.
Versprechen. Es war die Story dieser Weltmeisterschaft, als sich Lindsey beim Abfeiern an einer kaputten Champagner-Flasche die Sehne an ihrem rechten Daumen durchtrennte. Ob sie starten wird, will ich wissen. „Ich versuche es auf alle Fälle“, antwortet sie. „Es ist ja nur ein Daumen.“ Typisch Lindsey! Daumen hoch für den WM-Slalom.





Walter Unterweger
